Zur Geschichte der Kirche in Pinnow
Pinnow
                      - mitten im Heideland
Kirchenhistorie
Bereits seit der ersten Erwähnung des Dorfes ist hier auch der Dienst eines Geistlichen nachgewiesen. Nachweislich von Beginn des
17. Jahrhunderts an, gehörte Pinnow neben Sembten zum Kirchenspiel Grano, wo sich der Pfarrsitz befand. Da ein Teil der hiesigen
Kirchgänger wendischer Abstammung waren, fanden an bestimmten, insgesamt acht Sonntagen im Jahr, die Gottesdienste in
wendischer Sprache statt. Wann diese Ordnung aufgehoben wurde, ist nicht bekannt. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche stammt
aus dem Jahre 1604 und war als Lehmfachwerkbau errichtet worden. Die Jahreszahl, sowie die Initialen Z L S, vermutlich die
Anfangsbuchstaben vom Namen des damaligen Kirchenpatrons, sind bis heute auf der Wetterfahne erhalten geblieben. Auch das
Jahr 1756, der Zeitpunkt einer umfassenden Erneuerung des Gotteshauses, fand sich fortan auf einem, heute nicht mehr
vorgefundenen Teil der Fahne.1799 erfolgte wiederum eine Dachreparatur. Während der
Reparaturarbeiten im Jahre 1836 wurde am westlichen Giebel das Kirchenschiff in Feldsteinmauerwerk
erweitert. Die so entstandene Ansicht ist uns bis heute in Form einer putzplastischen Darstellung an
der Nordseite der Kirche überliefert. Die letzte Instandsetzung der alten Kirche erfolgte 1882.
Gravierende bauliche Mängel ließen im damaligen Gemeinderat, die Pläne für den Neubau einer Kirche
an gleicher Stelle reifen. Als am 24. September 1899 der Beschluss zum Neubau gefasst wurde, ahnte
sicher noch niemand, dass ein fast zehnjähriges Ringen um die Verwirklichung dieses Vorhabens
folgen würde. Die zahlreichen Briefe zwischen dem damaligen Pfarrer Reinhardt, dem Kirchenpatron von
der Schulburg auf Lieberose und dem evangelischen Oberkirchenrat in Berlin, sind uns bis zum
heutigen Tage im Granoer Pfarrarchiv erhalten geblieben. In der Woche nach Trinitatis 1909 war es dann
doch soweit, die alte Kirche wurde abgebrochen. Der Entwurf der heutigen Kirche stammt vom
damaligen Baurat Büttner und F. Hoßfeld, beide aus Berlin, die ausführlichen Bauzeichnungen fertigte
der Gubener Baurat Erdmann an. Insgesamt kostete der Neubau 41.792,98 Reichsmark. Der Patron
von der Schulenburg trug davon 24.137,33 RM und der Berliner Oberkirchenrat stellte 6800RM zur
Verfügung. Neben Geldspenden beteiligten sich die Gemeindeglieder auch mit Gespann- und
Handwerkerdiensten.
Am 11. Juli 1909 fand dann die Grundsteinlegung statt. Die Bauhauptleistung erbrachte die Firma des Gubener Zimmerer- und
Mauermeisters C.Tilgner, der ebenfalls Fenster, Türen und die Empore einbaute. Die Änderung und Erneuerung der Turmspitze wurde
von der Kupferschmiede und Apparatebauanstalt W. Heinze aus Guben vorgenommen. Es ist anzunehmen, dass dabei der Teil der
Wetterfahne, der die Jahreszahl 1756 trug, entfernt und durch den heute noch erhaltenen mit AD 1909 ersetzt wurde. Weiterhin
fertigte der Gubener Schmiedemeister M. Müller den Zieranker und die Jahreszahl am Seitengiebel, sämtliche Tür- und
Fensterbeschläge, Schlösser, das Sakristeigitter und acht Rinneisen. Die Kirche erhielt nur über dem Turmeingang und der Sakristei
Dachrinnen. Sämtliche Glaserarbeiten führte Meister A. Dulitz aus Guben aus. Der Gubener Klempner Kiewitz baute die
Fledermausfenster im Dach. Die Öfen in Kirche und Sakristei errichtete Töpfermeister P. Landoph. Bildhauer W. Strauß, Guben,
fertigte den achteckigen Kanzelsockel aus Sandstein. Kanzel und Schalldecke, Altar, Bänke und Emporenbrüstung sind das Werk
von Tischlermeister J. Zeschke aus Neustadt. Die Malerarbeiten schließlich führte das Atelier von H. I. Orange aus Guben und der
Kunstmaler P. Klinka aus Großlichterfelde aus. Am 28. November 1910, dem Tag der Einweihung des neuen Gotteshauses, erklang
auch erstmals die von der Firma Sauer aus Frankfurt an der Oder erbaute Orgel. In den folgenden Jahren wurden nach mehreren
kleinen Dachreparaturen 1968 der Turm und 1978 das Kirchendach umgedeckt. Die Arbeiten führte Dachdeckermeister Märksch aus
Groß Gastrose aus. In diesem Jahr erhielt die Kirche wahrscheinlich auch eine Dachrinne am gesamten Kirchenschiff und der
Sakristei. Bereits in den zwanziger Jahren erhielt die Kirche elektrische Beleuchtung. 1962 wurde auch die Orgel auf elektrischen
Betrieb umgestellt und die Bedienung des Blasebalges per Hand entfiel. Noch bis heute in Hand- oder Fußbetrieb erfolgt die
Bedienung der Läuteanlage. Diese, wie auch die damit betriebene Glocke stammen aus dem Jahre 1922 und wurden von der
Lübecker Firma M. und O. Ohlsson gegossen und errichtet. Eine zweite stark verrostete
Glocke wird nicht mehr geläutet. Ursprünglich waren die Glocken mit dem Schlagwerk der
Uhr verbunden.
Seit dem Frühjahr 1963 ist unsere Gemeinde mit der rheinischen Kirchengemeinde
Ruppichteroth verbunden. Entstanden ist diese Partnerschaft als Patenschaft nach der
Teilung Deutschlands und ist auch heute, im 12. Jahr nach der Wiedervereinigung, lebendig.
Neben vielen anderen Hilfsaktionen wurde die Gemeinde 1979 auch bei der Instandsetzung
der Pinnower Turmuhr unterstützt. Seit diesem Jahr ist unsere Kirche auch als Denkmal
geschützt. Am 1. Januar 1985 vereinigten sich die bisherigen Kirchdörfer, mit jeweils eigenen
Gemeinderäten zur Kirchengemeinde Grano. Der neugebildete Gemeindekirchenrat ist fortan
für die Belange in allen Gemeinden zuständig. Nach wiederholten kleineren Reparaturen
wurde nun wieder eine umfangreiche Instandsetzung der Pinnower Kirche beschlossen.
Erfolgt ist bereits im Jahr 2000, die vollständige Erneuerung der elektrischen Anlage durch die Firma Neiße- Elektra- Guben. In
diesem Jahr erfolgt nun die Erneuerung der gesamten Dacheindeckung, mit Entwässerungs- und Blitzschutzanlage, sowie die
Reparatur des nördlichen Gratsparrens über dem Altarraum. Diese Arbeiten erledigt wiederum die Gastroser Dachdeckerfirma
Märksch, Sohn des letztausführenden Meisters. Die arg zerschossene und vom Zahn der Zeit gezeichnete Turmspitze wird von
Schmiedemeister A. Schmidtchen, ebenfalls Groß Gastrose erneuert und soweit möglich restauriert. Vorbereitet und betreut werden
die Arbeiten vom Gubener Architekten M. Bärmann, seit September 2001 gleichzeitig Vorsitzender des derzeitigen
Gemeindekirchenrates. Seit dem 1. September 2001 besteht die Evangelische Kirchengemeinde Region Guben, die aus der
Stadtgem. Guben und den Landgem. Atterwasch, Kerkwitz, Grano und Gr. Breesen/ Bomsdorf entstand. Die Finanzlage der
Landkirche führte zu diesem Zusammenschluss. Im jetzigen Gemeindekirchenrat wird unser Bereich durch die Pinnower J. Lagatz
und P. Jeschke - Amtsdirektor des Amtes Schenkendöbern, sowie durch den Gr. Drewitzer F. Buder - Bürgermeister von Lutzketal -
vertreten. Nach der letzten Granoer Pfarrerin G. Neumann ist nun Pfarrerin I. Brockes für den Gemeindebezirk Grano- Pinnow-
Sembten zuständig. Unterstützt wird sie durch einen zwölfköpfigen Gemeindebezirksvorstand und die ehrenamtliche Kantorin K.
Freitag aus Lübbinchen.
Gott zur Ehre und den Menschen zum Segen
möge diese Kirche auch in Zukunft hier in Pinnow sein
Groß Drewitz, am 1. Oktober 2002
Vorsitzender des Gemeindebezirksvorstandes Grano
Ullrich Heß
Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Evangelischen Kirchgemeinde Region Guben
Copyright © 2018 InterWebDesign by Mannl EDV-Systeme ·  All Rights reserved  ·  E-Mail: webmaster@pinnow-heideland.de